Unsere sechsjährige Tochter hat eine Freundin, die es nicht gibt, und deren Ursprung uns bis heute ein Rätsel ist. "Die Heine", so ihr Name, begleitet uns wie eine reale Person. Wenn meine Tochter etwas möchte, das sie nicht darf, erklärt sie kurzerhand, "die Heine" dürfe es auch. Wollen wir etwas durchsetzen, behaupten wir, "die Heine" müsse das Gleiche tun. Selbst unser Achtjähriger bedient sich ihr inzwischen, um seine Schwester von etwas zu überzeugen. Fremden gegenüber verkneife ich mir, von "der Heine" zu sprechen wie von einem dritten Kind. Taucht sie für eine Weile nicht auf, fragen wir uns, wo sie geblieben ist. Es kommt vor, dass ich eine Geschichte entwerfe und überlege, was "die Heine" wohl dazu sagen würde. Noch habe ich vermieden, für fünf zu decken, doch ich ahne: Es ist nur eine Frage der Zeit.